Fussball International
16.04.2017 14:40

Bürki erhebt Vorwürfe gegen UEFA: «Denen geht es nur ums Geld»

  • Keine Zeit zur Trauma-Bewältigung: Roman Bürki macht der Sprengstoffanschlag auf den BVB-Teambus auch auf dem Platz zu schaffen (© KEYSTONE/DPA/INA FASSBENDER)
    Keine Zeit zur Trauma-Bewältigung: Roman Bürki macht der Sprengstoffanschlag auf den BVB-Teambus auch auf dem Platz zu schaffen | KEYSTONE/DPA/INA FASSBENDER
DEUTSCHLAND ⋅ Fünf Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf den Dortmunder Teambus spricht Roman Bürki in einem Interview mit der Sonntags-Zeitung über die Nachwirkungen. An die Adresse der UEFA erhebt er Vorwürfe.

"Ich habe noch immer Probleme, schlafen zu können. Im Unterbewusstsein zucke ich zusammen und schrecke darum auf. Das ist das Schlimmste: dass ich keine Nacht durchschlafen kann." Die Bombenexplosionen hallen nach, der Schock sitzt beim BVB-Keeper tief: "Ich muss drei Kreuze an die Decke machen, dass ich noch am Leben bin."

Von der profanen Normalität ist der 26-Jährige weit entfernt. Quälende Fragen kreisen im Kopf: "Warum? Warum ist das passiert? Wieso wir Fussballer als Ziel? Wir haben uns doch immer von politischen Themen distanziert. Uns anzugreifen, ist doch komplett absurd."

Für den Entscheid, den Champions-League-Viertelfinal knapp 24 Stunden nach der Attacke auf die Equipe neu anzusetzen, bringt er nicht das geringste Verständnis auf: "Für mich war schlimm, dass wir schon am Tag nach dem Anschlag wieder spielen mussten. Wenn wir hätten wählen können, von uns hätte keiner gespielt."

Tränen und Konzentrationsprobleme

Er habe während der Partie gegen Monaco (2:3) alles immer etwas später wahrgenommen - "als hätte ich einen Schleier vor den Augen"; hinterher seien bei jedem Spieler Tränen geflossen, so Bürki im Gespräch mit der Sonntags-Zeitung am Tag nach der Rückkehr in die Bundesliga gegen die Eintracht Frankfurt (3:1).

Der Schweizer hat wie der Dortmunder Coach Thomas Tuchel auch die UEFA im Verdacht, Druck ausgeübt zu haben, die Partie bereits am Tag danach durchzuführen. "Ich spürte, dass es denen (UEFA) nur ums Geld geht und nicht um das Menschliche. Wenn ich dann am nächsten Tag von irgendeinem Sprecher der UEFA oder der FIFA eine Aussage höre, das Spiel wäre abgesagt worden, wenn jemand ums Leben gekommen wäre... Also, das ist doch wohl die grösste Frechheit, die es gibt. Muss immer zuerst etwas Gravierendes passieren, bevor man handelt?"

Von der politischen Rhetorik hält Bürki wenig, als Direktbetroffener beurteilt er die Aussagekraft der in einem äusserst schwierigen Kontext veranstalteten Champions-League-Partie anders. Für ihn persönlich war das Spiel am letzten Mittwoch kein Statement gegen den Terrorismus: "Das war doch kein Zeichen, das war nur ein Ignorieren der Tatsachen." (sda)

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