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Constantin: Bei mir absolut chancenlos

Sportredaktor Albert Krütli über Christian Constantin.
24.09.2017 | 07:59

Stellen Sie sich vor, ich wäre ein erfolgreicher,überall anerkannter und akzeptierter Fussballtrainer. Ich könnte mich vor Angeboten angesehener Vereine kaum wehren. Und vor allem müsste ich damit rechnen, dass sich auch Christian Constantin bei mir melden würde. Christian Constantin (60) ist Präsident des Super-League-Klubs FC Sion.

Der Unternehmer mit eigenem Architekturbüro hat in seiner 19-jährigen Amtszeit 39 Trainer entlassen– und er wird auch mal tätlich, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen läuft. Das musste zuletzt am Donnerstag auch Rolf Fringer, der ehemalige Schweizer Nationaltrainer und TV-Experte bei Teleclub erfahren, der sich erdreistete, den selbstherrlichen Monsieur aus dem Wallis zu kritisieren.

Ich würde das Angebot von Constantin natürlich ausschlagen, denn ich möchte ja mein Renommee nicht in kürzester Zeit verspielen. Zudem würde es mein Berufsstolz nicht zulassen, in Sion zu arbeiten, auch wenn das schon einige bekannte Trainer gemacht haben: Gilbert Gress, Vladimir Petkovic, Uli Stielike, Gennaro Gattuso, Pierre-Albert Chapuisat, Raimondo Ponte, Michel Decastel, Alberto Bigon, Didier Tholot, Laurent Roussey, Marco Schällibaum, Umberto Barberis, Bernard Challandes ...

Christian Constantin, der ein Vermögen von 275 Millionen Franken haben soll, würde mich danach natürlich mit noch mehr Geld ködern, aber ich würde standhaft bleiben. Ich wäre schliesslich schon zufrieden, wenn der in seinem Stolz und seiner Unantastbarkeit verletzte Sion-Präsident mich bei nächster Gelegenheit nicht für meine Undankbarkeit bestrafen würde.

Ich weiss: Es werden nie alle Fussballtrainer so denken wie ich. Wir leben schliesslich in einer freien Marktwirtschaft, und so wird Monsieur Constantin immer wieder ein Opfer finden. Sollte er aber tatsächlich mal erfolglos sein, dann würde er wohl auch noch dieses Amt ausführen (was er vom 12. August bis 22. August 2016 bereits einmal kommissarisch gemacht hat). Ganz nach dem Motto: «Das kann ich eh besser als alle anderen.» Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn er dann auch noch erfolgreich wäre.

Albert Krütli, Sportredaktor

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