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FUSSBALL

«Ich träume von der Hymne»

Sieben Schweizer Spitzenschiedsrichter sind befördert worden, dürfen sich ab 2018 Halbprofi nennen. Mit dabei: der Entlebucher Urs Schnyder (31).
13.12.2017 | 18:21

Urs Schnyder, Sie haben in unserer Zeitung schon einmal angetönt, dass Sie den Weg zur Professionalisierung der Schweizer Schiedsrichter begrüssen würden. Sind Sie zufrieden?

Urs Schnyder: Ich freue mich ­extrem. Es ist ein guter Schritt, ein wichtiger Schritt. Im Schweizer Spitzenfussball waren wir Schiedsrichter die Amateure, jetzt gehen wir weg vom Amateurstatus.

Was bedeutet das 50-Prozent-Pensum als Schiedsrichter für Sie beruflich?

Ich habe inzwischen meine Doktorarbeit in Sportwissenschaft gemacht und arbeite seit August dieses Jahres als Sportlehrer am Gymnasium im bernischen Kirchenfeld. Es ist ein 60-Prozent-Pensum, das ich dank des Entgegenkommens der Schulleitung ab Januar auf 50 Prozent reduzieren kann.

20 Prozent sind nun für einen Arbeitstag, also den Matchtag gerechnet. Weitere 20 Prozent sind für das regelmässige Training gedacht. In den verbleibenden 10 Prozent soll sich der Schiedsrichter auf den jeweils anstehenden Match einstellen und vorbereiten.

Unter uns Schiedsrichtern wurde diese Aufschlüsselung der 50 Prozent nie derart konkret fixiert. Was mein Fitnesstraining betrifft, kann ich sagen: Ich trainiere sechsmal pro Woche, eine Einheit davon mit einem Personal Coach. Dazu kommt das Spiel selber. Neu werden auch mehr Kurse sein, wir treffen uns jeden zweiten Mittwoch ganztags zu Vor- und Nachbereitungen der Spiele. Die Schiedsrichterzeit wird intensiver, aber auch sehr lehrreich.

Unterdessen sind Sie zum Fifa-Schiedsrichter aufgerückt. Wie kam es dazu?

Für die Schweizer Schiedsrichter sind sieben Fifa-Plätze frei. Weil Sascha Amhof seine Karriere beendet und Nikolaj Hänni als Fifa-Schiedsrichter aufhört, rücken Lionel Tschudi und ich nach. Fifa-Schiedsrichter bin ich offiziell erst ab 2018. Dann folgen die ersten Schritte auf dem inter­nationalen Parkett. Das höchste Referee-Niveau ist die Elite-Gruppe, welche rund 25 Schiedsrichter beinhaltet. Dann folgen die Gruppen 1 bis 3. Neulinge starten in der Gruppe 3 und pfeifen an U17- oder U19-Turnieren. Ich hoffe, dass ich im Sommer ein Qualifikationsspiel zur Europa League arbitrieren darf.

Welches war Ihr letztes Spiel als Schiedsrichter, und welches wird Ihr nächstes sein?

Ich habe am 2. Dezember Lausanne – Basel geleitet. Am kommenden Wochenende bin ich der vierte Mann an der Linie. Es gilt die Regel, dass wir nicht sagen dürfen, bei welchem Spiel.

Wie stehen Sie zum Video­beweis?

Der Videobeweis ist grundsätzlich eine gute Sache, ich bin sehr, sehr dafür. Der Videobeweis ist nicht nur für die Fussballteams eine faire Sache, sondern ist auch für uns Schiedsrichter eine grosse Hilfe und gibt uns die Möglichkeit, gerechter zu urteilen. Wir wissen allerdings, dass ein Fussballmatch viele sogenannte Grausituationen beinhaltet. Dort habe ich weiterhin Bedenken, was den Videobeweis betrifft.

Jetzt sind Sie Halbprofi und erst noch Fifa-Ref. Ihr Ziel muss die WM 2022 sein?

Das ist jetzt schon ziemlich weit vorausgeschaut. Für mich ist der Weg das Ziel, ich will Match um Match gut leiten und mich so weiterentwickeln. Klar, als Schiedsrichter träume ich von der Champions League, träume ich von dieser Hymne.

Apropos Hymne. Sie sind noch Sänger und Gitarrist der Doom-Rockband Preamp Disaster. Wird die Band jetzt sterben?

Die Band gibt es schon seit zehn Jahren, und meine Bandkollegen wissen, wo ich meine Prioritäten setze: als Schiedsrichter nämlich. Trotzdem gehe ich davon aus, dass ich mein Hobby weiter ausführen und weiterhin in die Saiten greifen kann.

Interview: Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

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