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HANDBALL

Raemy ist felsenfest vom Comeback überzeugt

Kriens-Luzern bittet heute Wacker Thun zum Spitzenkampf (20.15). Einer ist auch heute nur Zuschauer: Nicolas Raemy (25) leidet nach wie vor an den Nachwirkungen eines Schleudertraumas.
07.12.2017 | 04:39

Kaum einer hätte vor ein paar Wochen, als Kriens darbte, kriselte und auch gegen die Liga-Schlusslichter eine schlechte Falle abgab, geahnt, dass dieses Spiel heute (Lachenhalle, 20.15) zu einem Spitzenkampf gedeihen würde. Ausser Heiko Grimm, der Trainer, der stets beschwor: «Wir wissen, was wir draufhaben. Und wir werden diese Stärken in dieser Saison noch abrufen.» Den ersten Reifetest hat der HCK am Samstag mit einem piekfeinen 26:23-Sieg gegen Meister Schaffhausen bestanden – heute will die Mannschaft bei Leader Wacker Thun nichts anderes beweisen als: «Wir sind wieder ein Spitzenteam.»

Einer, der bei Kriens die Grundausbildung absolvierte und vor vier Jahren seine erweiterten Lehr- und Wanderjahre bei Wacker Thun begann, ist heute nur Zuschauer. Passiert war’s am 14. September 2016, in einem belanglosen Qualifikationsspiel gegen den RTV Basel. Nicolas Raemy, der Luzerner aus Buchrain, dem viele handballerisches «Summa cum laude» attestieren, rammte in den Schlusssekunden mit dem gegnerischen Keeper ­zusammen. Die Diagnose eines Schleudertraumas und einer heiklen Hirnerschütterung liess zwar vermuten, dass sich die Rekonvaleszenz über weite Monate erstrecken wird. Aber: Die Wettkampftauglichkeit hat der Linkshänder nach wie vor nicht ­erlangt. Wer spekulativ denkt, ­behauptet: Nicolas wird nie mehr Handball spielen.

15 unendlich lange Monate

Raemy lassen solche Vermutungen kalt: «Wer so gerne Handball spielt wie ich, aber es nicht tun darf, der ist natürlich nicht glücklich. Aber ich bin auf einem guten Weg.» Zwei, drei Trainings mit der Mannschaft habe er in den letzten Tagen absolviert, jetzt folge wieder eine Phase, da Zurückhaltung angebracht sei. «Wichtig für mich ist, dass ich den Alltag beschwerdefrei, also ohne Kopfschmerzen, gestalten kann.» Der Handball und das Comeback: «Ich lasse mich schlicht und einfach nicht durch ein Zeitfenster unter Druck setzen.»

Geduld, das ist die Tugend, welche Nicolas Raemy in diesen langen Monaten des Sich-wieder-Herantastens zu respektieren hat. Der Student der Sportwissenschaften erweiterte seine Ausbildung mit einem Zusatzfach in Psychologie, erweiterte seinen Kollegenkreis in Bern: «Lernen, was es neben dem Handball auf dieser Welt auch noch zu erleben, zu geniessen gibt.» Doch eines schwört Nicolas Raemy: «Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich zurückkehre.» Es wäre eine Bereicherung für den Schweizer Handball.

 

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

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