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HANDBALL

Ferien oder Aufstiegsspiele?

Die Emmer bezwingen die SG Pilatus in der 1.-Liga-Finalrunde mit 30:26. Neben dem Platz diskutieren die beiden Konkurrenten auf Führungsebene über eine künftige Zusammenarbeit.
17.04.2018 | 08:31

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Ferien oder Aufstiegsspiele? Darum geht es in den Gesprächen mit der Mannschaft in dieser Woche. Sollten sich die Emmer auch nach den beiden letzten Spieltagen in den Top 2 der 1.-Liga-Finalrunde befinden, qualifizieren sie sich für die Aufstiegsspiele vom 5. und 12. Mai – aktuell stehen sie als Leader zwei Punkte über dem Strich. «Eigentlich haben wir den Spielern nach der regulären Saison drei Wochen frei gegeben, auch die Mannschaftsreise fällt in diesen Zeitraum. Der Erfolg hat uns ein bisschen überrumpelt», sagt Basil Koch. Der 57-jährige Luzerner fungiert seit letztem Herbst als Sportchef einer Sportkommission, die an der GV im nächsten August offiziell gewählt werden soll.

Handball Emmen, bisher bekannt als Liftklub zwischen 1. und 2. Liga, hat sich in dieser Saison zum Spitzenteam gemausert. Eng verknüpft ist die positive Entwicklung mit Trainer Heinz Fuhrimann, der nach zehn Jahren im Nachwuchs der SG Pilatus nach Emmen gewechselt ist. «Heinz brachte die Mannschaft physisch auf Vordermann. Mit seinem fundierten Wissen, seiner loyalen und fordernden Art bringt er uns weg vom Feierabend-Handball in Richtung Leistungssport», lobt Koch.

Sportchef Koch spielte für Emmenstrand und Borba

Derzeit werde ungeachtet der Meisterschaftsbelastung intensiv trainiert, da man sich schon auf nächste Saison ausrichte. «Der Auftritt gegen die SG Pilatus war deshalb ein wenig pomadig. Die letzten Wochen haben bei den Spielern angehängt, einige haben mit Verletzungen zu kämpfen.» Trotzdem gewann Emmen das Derby am Samstag mit 30:26, es war der sechste Sieg in Folge.

Der Aufstieg käme in diesem Jahr allerdings zu früh, findet man in Emmen, lieber würde man sich ein weiteres Jahr in der 1. Liga für die NLB rüsten. «Wir werden den Spielern sicher nicht das Siegen verbieten. Wenn wir es in die Aufstiegsspiele schaffen, nehmen wir sie an. Sollten wir sogar aufsteigen, würden wir einen Schlachtplan erstellen, um in der NLB konkurrenzfähig zu sein», erklärt Koch, der selber bei Borba Luzern und Emmenstrand in der NLA gespielt und 1986 gegen die DDR sein einziges Länderspiel für die Schweiz absolviert hatte.

Besagter Schlachtplan könnte die Kooperation mit der SG Pilatus beinhalten. Das Nachwuchskonstrukt der Vereine HC Kriens, TV Horw und Borba Luzern, das dem NLA-Team von Kriens-Luzern als Ausbildungsplattform dient, versuchte sich 2015/16 während einer Saison mit einem Aktivteam in der NLB, blieb aber erfolglos.

SG Pilatus streicht NLB-Aufstieg aus Agenda

Daraus hat man seine Lehren gezogen, «wir werden mit der SG Pilatus keinen Aufstieg mehr anstreben», sagt Manuel Schnellmann, der in der Geschäftsführung für die Leitung des Nachwuchses verantwortlich ist. «Künftig möchten wir uns auf die Ausbildung der Junioren konzentrieren.»

Da käme ein Partner wie Handball Emmen, der in Sachen Einzugsgebiet und Tradition ein grosses Potenzial hat und der seine Zukunft in der NLB sieht, gerade recht. Talentierte Emmer Junioren wechseln zur SG Pilatus und kehren später auf ihrem Weg nach oben ins NLB-Team der Emmer zurück – so ist die Zusammenarbeit angedacht. «Wir sind zu einem interessanten Partner geworden, bei uns läuft etwas», freut sich der Emmer Sportchef Basil Koch und hofft, dass die Kräfte gebündelt werden können. «Alles andere wäre reiner Kannibalismus.»

Zentralschweizer Hang zur Eigenbrötelei

Bisher tat man sich in der Zentralschweiz indes schwer mit nachhaltiger Zusammenarbeit, «das Vereinsdenken ist sehr ausgeprägt», sagt Schnellmann. Muotathal sinnierte zur Jahrtausendwende über eine Zukunft in der NLA mit eigenen Talenten, heute spielt es in der 1. Liga und hegt eigene NLB-Träume. Altdorf hat sich mit der Unterstützung von vielen Ausländern in der NLB etabliert. 2006 ging der HC Zentralschweiz unter dem Lead des A-Ligisten Stans Konkurs, die Mannschaft lancierte in der 2. Liga einen Neustart und ist nun auf bestem Weg, mit internationaler Hilfe die NLB zu halten.

Eine Zusammenarbeit der Nidwaldner mit Kriens-Luzern und der SG Pilatus scheiterte vor vier Jahren, weil sie neben ihren besten Talenten auch einen tiefen, fünfstelligen Betrag hätten einbringen müssen. Das Geld ist auch jetzt in den Gesprächen mit Emmen ein zentrales Thema, noch driften die Vorstellungen in den Verhandlungen auseinander.

Emmen will ausländischen Linkshänder

An der Vorwärtsstrategie der Emmer ändert dies nichts, nächste Saison will man reif für die NLB sein. Die strukturellen Probleme im Verein werden mit der Gründung der Sportkommission und der Koordinierung der Nachwuchsarbeit angegangen, die Kaderplanung ist fast abgeschlossen. Marcel Luthiger von Altdorf bleibt eine weitere Saison. Neu dazu stossen Roy Bucher und Valentino Augugliaro von der SG Pilatus sowie der Dagmerseller Adnan Idrizi, zudem soll für die rechte Angriffsseite ein weiterer Ausländer verpflichtet werden. Das alles zeigt: Ferienplanung während der Aufstiegsspiele wird 2019 kein Thema mehr sein.

Männer, 1. Liga

Finalrunde, Gruppe 2: Emmen – SG Pilatus 30:26 (16:13). Olten – Muotathal 19:28 (10:15). Bern Muri – Yverdon 20:25 (12:13). Chênois – Visp 32:16 (19:9). – Rangliste: 1. Emmen 12/17. 2. Yverdon 12/16. 3. Chênois Genève 12/15. 4. Muotathal 12/13. 5. SG Pilatus 12/12. 6. SG Olten 12/9. 7. Bern Muri II 12/7. 8. Visp 12/7.

Abstiegsrunde, Gruppe 2: Leimental – Dagmersellen 33:30 (17:13). Pratteln – Herzogenbuchsee 17:23 (9:13). HBC West – Lyss 34:31 (15:13). Nyon – Wacker Thun 25:24 (12:12). – Rangliste: 1. Leimental 12/18. 2. Nyon 11/15. 3. Herzogenbuchsee 12/14. 4. Lyss 12/11. 5. Wacker Thun II 12/10. 6. Pratteln 12/10. 7. HBC West 11/10. 8. Dagmersellen 12/6.

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