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LANDHOCKEY

Titelsammler auf der Torlinie

Seine Erfahrung ist für den NLA-Verein Luzerner SC Gold wert. Der 29-jährige Philipp Bühler spricht über das Klischee der Torhüter, die neue Saison und welches Amt er noch bekleidet.
17.04.2018 | 08:56

Theres Bühlmann

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Ohne sie geht nichts. Egal, in welcher Sportart. Sie sind der Rückhalt jeder Mannschaft: die Torhüter. Als Einzelkämpfer werden sie bezeichnet, als spezielle Typen, etwas seltsam, irgendwie crazy. «Das muss ich mir manchmal auch anhören», sagt der 29-jährige Philipp Bühler lachend. Seit Jahren steht er beim NLA-Team Luzerner SC zwischen den Pfosten. «Aber ich entspreche diesem Klischee wohl nicht», sagt er. «Ich bin kein Einzelkämpfer, ich sehe mich als Teamplayer.»

Und crazy, nein, so präsentiert sich der in Luzern wohnhafte Philipp Bühler auch nicht. Im Gegenteil, ruhig wirkt er. Emotionen zeigt er höchstens auf dem Spielfeld. «Natürlich fällt da in der Hitze des Gefechts das eine oder andere laute Wort, wichtig ist aber, dass man nach dem Match darüber spricht.» Das bringt die Erfahrung und die Routine mit sich. Und über die verfügt Philipp Bühler seit Jahren.

Grosse Erfolge in der Halle und auf dem Feld

Als Schüler, das mag so vor 22 Jahren gewesen sein, lernte er im Rahmen der Luzerner Sportwochen einigen Sportarten kennen. Und blieb beim Landhockey hängen. Im Turnus wurde bei den Junioren auf den verschiedenen Positionen gespielt. Im Alter von 12 Jahren übernahm er den Posten zwischen den Pfosten. Er konnte sich auf den Support seiner Eltern Theres und Peter verlassen, die damals nicht nur Chauffeur-Dienste versahen, sondern auch in verschiedenen Funktionen im Hintergrund mithalfen. Seine Schwester Silvia tat es ihrem Bruder gleich und spielt ebenfalls Landhockey.

Dem Luzerner SC blieb Philipp Bühler immer treu und feierte mit dem Verein grosse Erfolge, in der Halle und auf dem Feld. Bereits 2005 reichte es zur Goldmedaille an der U18-Schweizer-Meisterschaft. Bei der Elite stand er bei jenen Equipen im Tor, die ab 2006 bis 2015 in der Halle jede Menge Schweizer Meistertitel gewannen, insgesamt deren acht. Das war die Zeit, in der der Luzerner SC als fast uneinnehmbare Festung galt, was die drei Cupsiege 2007, 2009 und 2011 noch unterstreichen.

Sicherer Wert in der Nationalmannschaft

Zu Philipp Bühlers wohl grösstem Triumph gestaltete sich das Jahr 2007 mit dem Gewinn des Triples: Titel an der Schweizer Meisterschaft in der Halle, auf dem Feld und der Cupsieg. In Erinnerung bleiben auch die beiden dritten Plätze 2009 und 2010 im Rahmen des Europacups.

Auch in der Nationalmannschaft war er ein sicherer Wert. Erst bei den Junioren, dann bei der Elite. Höhepunkt: die Olympiaqualifikation 2015 im südafrikanischen Kapstadt, bei der die Schweiz in der zweiten Runde ausschied, dieser aber trotzdem Positives abgewinnen kann: «Es war eine Supererfahrung.» 2016 verabschiedete er sich von der internationalen Bühne, «weil es zeitlich nicht mehr passte», denn neben dem Engagement im Verein standen an freien Wochenenden Kaderzusammenzüge oder Vorbereitungsturniere mit der Nationalmannschaft auf dem Programm.

Die Begeisterung für seinen Sport ist spürbar. «Landhockey ist eine Randsportart. Uns wird nicht alles hinterhergetragen und bereitgestellt, wir müssen vieles selber organisieren und Arbeit investieren. Aber das schweisst zusammen. Zudem ist diese Sportart technisch anspruchsvoll.» Während der Woche absolviert er ein Training von acht Stunden, dreimal mit der Mannschaft, dazu ein- bis zweimal Kraft und Kondition, dazu kommen die Partien an den Wochenenden.

Friktionen mit seinem Beruf als Elektroingenieur gibt es keine. «Ich kann alles selber einteilen», sagt Philipp Bühler, der einst den Beruf des Elektromonteurs erlernte und dann Elektrotechnik studierte. Beim LSC versieht er zusätzlich das Amt des Captains, «da muss man eine gewisse Sicherheit ausstrahlen, nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld».

Trainerposition ist derzeit unbesetzt

Und diese ist in Kürze wieder gefragt. Am kommenden Sonntag beginnt mit dem Spiel gegen Lugano die Rückrunde der Feldsaison, die die Luzerner im letzten Jahr auf Platz 6 beendeten. Rang 4 peilt er nun an, «wir haben einige junge Spieler, und die Mannschaft muss erst zu einer homogenen Einheit wachsen». Der Wechsel von der Halle ins Freie bringe immer Umstellungen mit sich: eine etwas andere Regelauslegung, ein grösseres Feld, statt fünf stehen zehn Akteure pro Team auf dem Platz. Zudem ist das Team zurzeit ohne Trainer, diesen Part teilen sich alternierend vier bis fünf Spieler. Während der Hallensaison, bei der die Luzerner Platz 4 belegten, stand Mathias Schaeben, der Trainer der Frauenequipe, an der Seitenlinie. «Doch wegen Terminkollisionen ist dies keine Dauerlösung, die Suche nach einem Trainer läuft.» Den Luzernern steht auch der Cupfinal (Final Four) am 5./6. Mai bevor.

Dann wird Philipp Bühler den Kopfhörer aufsetzen, abschalten, und sich mit Musik, bevorzugt sind Rock und Pop, auf seine Einsätze vorbereiten. «Torhüter haben die etwas grössere Verantwortung als ein Feldspieler», beschreibt er seinen Part. Sie müssen gute Organisatoren sein und über viel Spielübersicht verfügen, und eben, alles halten. Eigenschaften, die er als positiv am Torhüterdasein bewertet. Und die negativen Seiten? «Wenn ich einen schlechten Tag habe, wird es brenzlig. Schlimm ist es, wenn die Tore nicht fallen und ich in meinem Gehäuse machtlos zusehen muss.»

Auf einen Nenner gebracht, ein Torhüter kann ein Spiel entscheiden, zum Positiven wie auch im Negativen. Möge bei Philipp Bühler das Positive überwiegen.

Nationalliga A

Männer: Stade Lausanne – Lugano 3:0. – Rangliste (alle 7 Spiele): 1. Rotweiss Wettingen 19. 2. Basler HC 14. 3. Black Boys Genf 12. 4. Luzerner SC 11. 5. Grasshoppers 9. 6. Servette 8. 7. Stade Lausanne 6. 8. Lugano 5. – Sonntag. 14.00 (Utenberg): Luzerner SC – Lugano.

Frauen: Basler HC – Luzerner SC 3:4 (2:2) n. P. Rotweiss Wettingen – Grasshoppers 14:0. – Rangliste: 1. Rotweiss Wettingen 6/18. 2. Luzerner SC 6/11 3. Black Boys Genf 5/10. 4. Olten 5/8. 5. Basler HC 6/4. 6. Grasshoppers 6/0.

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