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FUSSBALL

Gesunde Schwingerhärte auf dem Rasen

Rasen statt Sägemehl: Am «eidgenössischen» Fussballturnier der Schwinger in Giswil zeigt mancher Böse ungeahnte Ballqualitäten. Anders als im Schwingen geht der Sieg in die Innerschweiz.
15.10.2017 | 07:47

Jonas von Flüe

Reicht es für den Final? Der Bündner ­Armon Orlik rechnete vor dem letzten Gruppenspiel aus, ob gegen die Nordwestschweizer ein Unentschieden genügt. «Bis jetzt haben wir einmal gewonnen und zweimal gestellt. Mit einem weiteren Gestellten würden wir den Schlussgang erreichen», sagte er, bevor er vor seinen Kollegen daran erinnert wurde, dass er sich nicht an einem Schwingfest, sondern an einem Fussballturnier befindet.

Die Schwingersprache, sie war am 26. Schwinger-Fussballturnier in Giswil allgegenwärtig. Wegen der Schwinger auf dem Feld, Brünig-Speaker Marcel Durrer am Mikrofon oder des Publikums, das eher an ein Schwingfest als ­ in ein Fussballstadion passte. Für den Schlussgang, wie Orlik das Finalspiel nannte, konnten sich die Nordostschweizer indes nicht qualifizieren. Für einmal schwangen die Innerschweizer und die Nordwestschweizer oben aus.

Orlik macht eine gute Figur

Wenn es denn einen Festsieger gegeben hätte, dann hätte er Beat Gander geheissen. Der Nidwaldner ist zwar seit rund 15 Jahren nicht mehr als Schwinger aktiv, brilliert aber im Tor der Innerschweizer – und das bereits seit Jahren. Im Schlussgang hielt der Kampfrichter zwei Penaltys der Nordwestschweizer Gäste und ­sicherte den Innerschweizern den Turniersieg. Anders als im Sägemehl behielten die Innerschweizer Schwinger an einem Anlass mit eidgenössischem Charakter die Oberhand.

Im Vorjahr mussten sie den Festsieg noch den Nordostschweizern überlassen, die in Giswil nur Rang 4 belegten. «Wir haben im Vorfeld ein Testspiel gegen die Veteranen des SC Buochs absolviert, das kam uns sicher zugute», erklärte der Gersauer Andreas Ulrich, gestern für einmal als Stürmer im Einsatz.

Auf Eidgenossen mussten aber auch die anderen Mannschaften nicht verzichten. Die Berner konnten auf Florian Gnägi zählen, die Nordwestschweizer auf einen starken Nick Alpiger im Tor und die Nordostschweizer auf den Musterathleten Orlik in der Verteidigung. «Ich bin polysportiv aufgewachsen, natürlich haben wir als Kinder auch immer Fussball gespielt», sagt er, auf seine gute Figur am Ball angesprochen.

Mühe mit der Grösse des Feldes

Orlik und Ulrich waren nicht die Einzigen, die sich auch auf dem Rasen wohlfühlten. Mehrere hundert Zuschauer sahen spannende Spiele, schöne Tore und vor allem mit schwingerischer Härte geführte Zweikämpfe. «Gefährlich ist das nicht», meinte Armon Orlik, «aber manchmal ist es besser, wenn man in einem Zweikampf nachgibt und sich fallen lässt.» Andreas Ulrich seinerseits hatte etwas Mühe mit der Grösse des Platzes, gehören Sprints doch nicht unbedingt zu den Vorlieben der Schwinger. «Wir spielen im Winter ja oft in der Halle, aber auf diesem grossen Platz ist das eine ganz andere Sache», meinte er. Für die Sieger gab es für einmal übrigens keinen Muni, sondern einen Pokal. Orlik dürfte sich darum nicht allzu lange über den verpassten Schlussgang geärgert haben. Klar ist aber: Am nächsten Turnier wird er wieder dabei sein.

 

26. Schwinger-Fussballturnier in Giswil. Final: Innerschweiz – Nordwestschweiz 2:1 nach Penaltyschiessen. – Rangliste: 1. Innerschweiz. 2. Nordwestschweiz. 3. Bern. 4. Nordostschweiz. 5. Südwestschweiz.

Bildergalerie: Schwinger-Fussballturnier in Giswil

Am Samstag massen sich in Giswil die Schwinger aller fünf Teilverbände im Fussball. Der Sieg blieb in der Innerschweiz. (Manuela Jans-Koch (Giswil, 14. Oktober 2017) )

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