Tennis
16.07.2017 20:41

Perfekter Plan zum Wimbledon-Rekord

  • Roger hebt den wohlverdienten Pokal in die Höhe. | Keystone
TENNIS ⋅ Sportredaktor Albert Krütli zum achten Wimbledon-Triumph und dem 19. Grand-Slam-Titel von Roger Federer.

Zum Abschluss der Federer-Festspiele 2017 demonstrierte der Schweizer Tennissuperstar in Wimbledon nochmals seine einmaligen Fähigkeiten. Der Rasenflüsterer liess im Final dem Kroaten Marin Cilic nicht den Hauch einer Chance und siegte mit 6:3, 6:1, 6:4. Der bald 36-Jährige feierte auf seinem Lieblingsspielplatz ohne Satzverlust den achten Triumph und ist jetzt alleiniger Rekordhalter. Es ist gleichzeitig sein 19. Grand-Slam-Titel, womit er die Führung auf Rafael Nadal (15) und Novak Djokovic (12) um eine weitere Einheit ausbaute.

Der finale Sieg in Wimbledon, wo sich Federer wie zu Hause fühlt, ist der Höhepunkt eines wundersamen Comebacks, des vielleicht grössten in der Sportgeschichte. Vor einem Jahr musste sich der Maestro auf seinem Heimterrain im Halbfinal von Milos Raonic geschlagen geben. Zu allem Überdruss verletzte sich Federer auch noch am Knie und beendete die Saison vorzeitig. Wie sich herausstellen sollte, war das ein weiser Entscheid. Zunächst sollte natürlich die Verletzung in aller Ruhe auskuriert werden. Aber der Federer-Clan ging auch sonst über die Bücher, denn der Superstar hatte bis zu jenem Zeitpunkt fünf Jahre lang kein Grand-Slam-Turnier mehr gewinnen können.

Der Plan sah vor, bei den Australian Open wieder ins Turniergeschehen einzusteigen, mit dem Ziel, in Wimbledon den lange erhofften 18. Titel zu holen, auf seinem bevorzugten Terrain. Dass Federer bereits in Melbourne gewinnen würde, überraschte selbst ihn. Beim Finalsieg gegen Nadal war offensichtlich, dass der Baselbieter nicht nur seine Verletzung überwunden hatte, sondern dass auch im physischen Bereich und an der Technik gefeilt wurde. 1:3 lag Federer im Entscheidungssatz zurück, am Ende hiess es 6:3.

Der Schlüssel zum Erfolg war aber seine Backhand. Auf der Rückhand war Federer immer wieder verwundbar – vor allem gegen Nadal. Beim Australian Open wurde diese Schwäche zur Stärke. Er rückte näher an die Grundlinie heran, schlug die Bälle früher und aggressiver und setzte damit Nadal unter Druck – und nicht umgekehrt. Damit war die einzige kleine Schwäche ausradiert, was ihn noch stärker machte. Federer gehört bei allen Schlägen zu den Top 3, er kann mit all seinen Schlägen die wichtigen Punkte gewinnen. Und dann sind da noch jene Schläge, die es eigentlich gar nicht gibt, die er aber immer wieder aus dem Hut zaubert und damit die Fans entzückt und seine Gegner zur Verzweiflung bringt.

Trotz zwei weiteren Siegen in Indian Wells und Miami im Frühjahr widerstand der Federer-Clan der Versuchung, den Bogen zu überspannen. Es folgte der Verzicht auf das French Open in Paris, wo die Erfolgschancen wegen des überragenden Sandkönigs Nadal jeweils am geringsten sind. So trat der Rasenkönig erholt und entspannt in Wimbledon auf, während seine grössten Gegner schwächelten und vorzeitig nach Hause reisten.

Und jetzt? Was folgt nach dem achten Wimbledon-Triumph und dem 19. Grand-Slam-Titel? «Chomm jetze!» treibt sich Federer nach einem Big Point jeweils selber lautstark an. «Chomm jetze!» wünscht sich auch die weltweit stets steigende Fangemeinde des Schweizer Ausnahmekönners. In dieser Verfassung ist Roger Federer für die US Open in sechs Wochen in New York zu favorisieren. Es wäre sein 20. Major-Triumph – eine Zahl, die auf der Zunge vergeht. Und eine Zahl, die ihn vielleicht für immer zum besten Tennisspieler macht, den die Welt je gesehen hat.

Albert Krütli

albert.kruetli@luzernerzeitung.ch

Bilderserien zum Artikel (2)

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

NEWSTICKER

Trends, Resultate, Stimmen: Das Neuste zu allen Vorlagen

Die Car-Parkplätze auf dem Inseli in Luzern.
ABSTIMMUNG

Stadt Luzern verbannt die Reisecars vom Inseli

Welche Fremdsprache in der Primarschule unterrichtet werden soll, lässt die Initiative offen. Auf dem Bild: Schüler der 5. / 6. Klasse lernen Frühfranzösisch.
ABSTIMMUNG

Luzerner lehnen Fremdspracheninitiative ab

Ein Plakat der Gegner (Archiv).
ALTERSVORSORGE

Altersreform: Tragfähige Alternativen sind noch nicht in Sicht

Pascal Hollenstein

Der Volksentscheid zur Rentenreform: ein Nein zur Giesskanne

Hier soll die neue Cheerstrasse durchführen. Die Gleisunterführung steht schon, ist aber noch ungenutzt.
ABSTIMMUNG

Cheerstrasse: Volksentscheid wird knapp umgesetzt

Für diese Überbauung in der Tribschenstadt hat die Wohnbaugenossenschaft ABL städtisches Land im Baurecht erhalten.
ABSTIMMUNG

In Luzern dürfen stadteigene Grundstücke nicht mehr verkauft werden

Bruno H. Schöpfer steht in einem der grossen Säle des Hotels Palace im Bürgenstock-Resort. Die Anlage soll noch um eine Hotelfachschule erweitert werden.
HOTELLERIE

Mister Bürgenstocks neuster Streich

Es läuft einfach nicht: Captain Claudio Lustenberger und der FCL haben noch zwei Punkte Vorsprung auf Schlusslicht Lugano.
SUPER LEAGUE

So bitter kann Fussball sein

Ein 32-Jähriger tötete sich vor dem Berliner Reichstagsgebäude selbst (Symbolbild)
LIVETICKER

Deutschland wählt: Alle Infos zur Bundestagswahl

Zur klassischen Ansicht wechseln