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CURLING

Schweizer Steine flitzen an Gold vorbei

Die Bielerin Jenny Perret (26) und der ältere Glarner Martin Rios (36) bleiben an der olympischen Premiere des Mixed-Doppels im Final chancenlos. Die hoch favorisierten Kanadier waren ausser Reichweite – auch, weil Martin Rios einen schlechten Tag erwischte.
14.02.2018 | 04:40

Andreas Eisenring, Pyeongchang

sport@luzernerzeitung.ch

Martin Rios brachte es in seiner typischen Art ohne Umschweife auf den Punkt: «Ich habe es verkackt ... ganz klar.» Da gab es nichts zu beschönigen bei der 3:10-Niederlage gegen die praktisch fehlerlos spielenden Kanadier, welche das konstanteste Olympiaturnier gespielt und sich die erste Goldmedaille in dieser Disziplin hoch verdient haben.

«Normalerweise gewinnst du als Team und verlierst du als Team», meinte Rios, «aber diesmal hat Jenny top gespielt. Ich hingegen habe meine Leistung überhaupt nicht gebracht.» Und gegen dieses Kanada hätte es einer Topleistung bedurft. Seine Partnerin analysierte die Niederlage so: «Im Vorrundenspiel habe ich meine Leistung nicht gebracht gegen Kanada, diesmal Martin. So sind wir überhaupt nie richtig ins Spiel gekommen.» Die Statistik bestätigt diese Aussage: Während Perret auf den guten Wert von 75 Prozent erfolgreicher Shots kommt, sind es bei Rios magere 61 Prozent.

Verpasster Take-out führt zu kanadischem Viererhaus

Bereits zu Beginn gerieten die Schweizer gehörig unter Druck, weshalb sie sich zur Absicherung von «nur» zwei Verluststeinen genötigt sahen. Im zweiten End gab es gute Ansätze, den hohen Favoriten doch ein wenig zu kitzeln. Zwei Schweizer Steine lagen shot – möglich wäre aber gar ein Dreierhaus und die Schweizer 3:2-Führung gewesen. «Das wäre die einzige Chance gewesen, die Kanadier in Bedrängnis zu bringen», sagte Teamcoach Theo Schneider, «die sind sich nicht gewohnt, in Rückstand zu geraten.»

Immerhin schrieb die Schweiz zwei Punkte und stellte auf 2:2. Aber im dritten End hatte Rios einen ganz schwachen Moment mit einem fatalen Fehlstein: Er verpasste einen offenen Take-out, sein Stein lief durch, was den Kanadiern schliesslich ein Viererhaus ermöglichte. Ein Schlag für die Motivation der Schweizer, die für einmal gar nie ihren Kampfgeist entfachen konnten. Es war die Vorentscheidung, die dem einseitigen Final auch stimmungsmässig die Spitze brach – zu früh und zu klar waren die Verhältnisse geregelt. Als sich die Schweizer im sechsten End dann gar zwei Steine stehlen lassen mussten, war die Moral definitiv gebrochen. Beim aussichtslosen Stand von 3:10 setzten die Schweizer der Partie selber ein frühzeitiges Ende und gaben auf.

Auch die «Hockeyhühner» bringen kein Glück

Martin Rios wirkte etwas ratlos: «Vor dem Halbfinal bin ich viel nervöser gewesen, aber diesmal hatte ich beim Einspielen ein gutes Gefühl. Warum ich gleich mehrere Steine nicht gebracht habe, kann ich mir nicht erklären.»

Da hatte auch ein besonderes Motivationsvideo der Schweizer Eishockeyfrauen nichts genützt. Offenbar ist der gesellige und kontaktfreudige Rios beim Nationalteam der Frauen der Hahn im Korb. Die schickten ihm aus der Hockeygarderobe ein Motivationsvideo mit dem gleichen Wortlaut, wie Rios die Eishockeyfrauen jeweils liebevoll betitelt: «Die Hockeyhühner wünschen dir viel Glück!»

Jetzt bleibt es also beim «silbernen Staubfänger», wie Rios die schon am Montag feststehende Medaille nennt. «Ich sage ja nicht, dass ich unglücklich bin mit Silber, aber wir hatten ganz klar Gold als Ziel.» Ob die beiden weitermachen, ist nicht klar. «Das werden wir am Ende der Saison ausdiskutieren. Es gäbe sicher gute Argumente weiterzufahren, aber momentan ist das wirklich offen», meint Perret. Für Martin Rios wäre eine Verlängerung nur so möglich: «Wenn wir im Doppel weitermachen würden, dann gäbe es als Zielsetzung ohnehin nur das eine Ziel, das noch offen ist, nämlich Olympiagold.»

Während Jenny Perret nun als Ersatzfrau fürs Frauen-Curlingteam bereitsteht, wird Martin Rios bald abreisen, obwohl ihm das bunte Leben und die verschiedenen Kulturen im Olympic Village ausgezeichnet gefallen. Aber für ihn, der zu 60 Prozent in der Nachwuchsarbeit beim Verband angestellt ist, geht der Curlingnachwuchs vor: Am nächsten Sonntag will er an den Schweizer Meisterschaften in Arlesheim die Junioren unterstützen – Olympiasilber hin oder her.

Video: Martin Rios: "Noch schöner wäre eine Goldmedaille gewesen."

Es ist die erste olympische Medaille für die Schweiz an den Winterspielen in Südkorea: Jenny Perret und Martin Rios haben am Mittwoch ihre Silbermedaille für den zweiten Rang im Mixed-Curling überreicht bekommen. Im House of Switzerland werden die beiden gebührend gefeiert. (Sarah Ennemoser/sda, 14.2.2018)



Bildergalerie: Silber für Schweizer Curling Mixed-Doppel

Die Bielerin Jenny Perret (26) und der Glarner Martin Rios (36) bleiben an der olympischen Premiere des Mixed-Doppels im Final chancenlos. Die Schweiz unterliegt im Final 3:10. (Ma Ping / Zuma / Freshfocus )

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