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SKI ALPIN

Denise Feierabend haben Freunde und Familie gefehlt

Die Engelbergerin Denise Feierabend tritt mit knapp 29 Jahren vom Rennsport zurück. Sie spricht über ihre Beweggründe, die Reaktion ihrer Fans und eine besondere Vorfreude.
11.04.2018 | 04:39

Interview: Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Denise Feierabend, Ihr Rücktritt kommt überraschend. Warum ausgerechnet jetzt nach Ihrer erfolgreichsten Saison?

Während der Saison sind schon gewisse Zweifel aufgetaucht, die ich aber beiseitegeschoben habe. Ich wollte mich voll auf die Rennen konzentrieren und mir erst Ende Saison über meine Zukunft den Kopf zerbrechen.

Welche Zweifel sprechen Sie an?

Ich habe mich mit dem ganzen Unterwegssein immer schwerer getan. Aufgrund meines Pensums – mit Starts in allen Disziplinen ausser im Riesenslalom – war ich häufig weg von zu Hause. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr bereit bin, diesen Aufwand in Kauf zu nehmen. Die Ausgangslage hat für mich nicht mehr gestimmt. Und es bringt nichts, nur halbherzig weiterzumachen. Deshalb habe ich mich letztlich zum Rücktritt entschlossen.

Haben Ihnen die Familie und die Freunde gefehlt?

Ja, ich kam ins Grübeln und fragte mich plötzlich: «Hey, was mache ich hier? Ich wäre eigentlich lieber daheim bei meinen Leuten.»

Am Sonntag feiern Sie Ihren 29. Geburtstag. Eigentlich sind Sie im besten Spitzensport-Alter. Keine Angst, dass Sie den Entscheid bereuen werden?

Es wird Hochs und Tiefs geben. Jeder Mensch will ja immer das, was er nicht hat. Aber ich glaube, dass ich richtig gehandelt habe.

Sie treten auf dem Höhepunkt ab, nach Teamevent-Gold an den Olympischen Spielen.

Dass ich meine Karriere so abschliessen darf, ist das Beste, was mir passieren konnte.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Besonders schön war jeweils die Ankunft im Ziel, wo man von den Fans gefeiert wurde.

Wie haben die Fans auf Ihr Karrierenende reagiert?

Sie waren überrascht, aber die meisten verstehen meine Beweggründe. Sie haben mir zur erfolgreichen Karriere gratuliert und mir viel Glück gewünscht für den nächsten Lebensabschnitt. Das hat mich sehr gefreut. Ich danke allen, die mich in all diesen Jahren unterstützt haben.

Kam der Rücktritt auch für Ihre Kollegen im Schweizer Team unerwartet?

Ja, sie haben davon nichts gewusst. Aber sie haben mir ebenfalls alles Gute gewünscht für die Zukunft.

Sie sind nie ganz in die Weltspitze vorgestossen, was Auswirkungen auf Preisgelder und lukrative Sponsoren hat. Erfolgt Ihr Abschied auch aus finanziellen Gründen?

Wenn es eine finanzielle Frage gewesen wäre, hätte ich sicher nicht aufgehört. Nach dieser Saison wäre die Ausgangslage so gut wie noch nie gewesen. Aber Geld alleine macht nicht glücklich. Um die guten Resultate zu bestätigen, hätte ich wieder Vollgas geben müssen. Dazu bin ich – wie schon gesagt – nicht mehr bereit.

Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Wenn ich aussuchen könnte, wäre die abgelaufene Saison schon vor ungefähr acht Jahren gekommen (lacht). Aber im Ernst: Ich glaube, ich habe einen guten Weg hinter mir. Ich habe gelernt, zu kämpfen und Tiefs zu überwinden.

Was empfehlen Sie jungen Athleten, die auf dem Sprung zur Profikarriere sind?

Das Wichtigste ist, dass man alles mit Freude macht und dass man zu schätzen weiss, was man hat. Es ist ein Privileg, Spitzensportler zu sein.

Bei den Frauen rücken Talente wie Mélanie Meillard und die Urnerin Aline Danioth nach. Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Schweizer Team?

Mélanie Meillard ist bereits in der Weltspitze angekommen. Ihre Verletzung (Kreuzbandriss im Februar, Anm. d. Red.) ist ein erster Härtetest für sie, aber sie wird diesen Rückschlag meistern. Es ist toll, dass wieder vermehrt junge Athletinnen nachrücken. Diese Breite hat gefehlt in meiner Anfangszeit, ich war damals etwas verloren in der Slalom-Gruppe.

Dennoch feierten Sie 2008 in Zagreb eine geglückte Weltcup-Premiere. Mit der Startnummer 54 fuhren Sie im Slalom auf den 18. Rang.

Besser konnte es kaum beginnen. Wenn man sich im ersten Rennen bereits für den zweiten Lauf qualifizieren und in den Top 20 mitfahren kann, ist das einfach ein tolles Gefühl.

Blicken wir nach vorne. Was sind Ihre nächsten Pläne?

Gemeinsam mit meiner Schwester Michèle werde ich eine sechswöchige Reise machen. Darauf freue ich mich besonders. Wir hatten in den letzten Jahren nicht viel Zeit füreinander, das können wir nun nachholen. Nach der Rückkehr werde ich mich daran gewöhnen müssen, meinen Tagesablauf selber zu strukturieren und mich im Alltagsleben zurechtzufinden. Wie mein beruflicher Alltag aussehen wird, ist noch nicht spruchreif. Aber ich habe schon Ideen.

Bleiben Sie dem Skisport in irgendeiner Form erhalten?

Diesbezüglich habe ich keine konkreten Pläne. Doch die Sponsoren-Skitage im Frühling waren immer eine coole Sache, da konnten wir Profis unsere ­Erfahrungen weitergeben. Ich kann mir etwas in dieser ­Hinsicht auch künftig vor­stellen.

Wird man Sie in Engelberg auf den Pisten antreffen?

Für diese Saison habe ich genug vom Skifahren. Aber ich bin ein Naturmensch und werde in der Natur anzutreffen sein – sei es im Sommer oder im Winter.

Bildergalerie: Denise Feierabend tritt zurück

Die Slalom-Spezialistin Denise Feierabend tritt nach ihrer erfolgreichsten Saison vom Skirennsport zurück. (Gian Ehrenzeller / Keystone )

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