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Jasmine Flury: Mit viel Risiko zum Spitzensport

Die Davoserin Jasmine Flury ist die grosse Figur des Weltcup-Wochenendes in St. Moritz. Im Interview spricht die Super-G-Siegerin über ihre Kindheit auf dem Bauernhof und die Nervosität vor ihrem Fernsehauftritt.
10.12.2017 | 19:50

Aufgezeichnet von Claudio Zanini, St. Moritz

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Aus drei geplanten Rennen wurde letztlich ein einziges. Anstelle von einer Kombination und zwei Super-G konnte in St. Moritz nur ein Super-G ausgetragen werden. Denn auch am Sonntag lag dichter Nebel auf der «Corviglia», sodass nicht an ein Rennen zu denken war. Mit viel Optimismus verschob die Rennjury die Startzeit zweimal um eine halbe Stunde, besser wurde die Sicht aber nicht. Somit gab es nur eine Siegerin in St. Moritz, dafür eine überraschen­de: Jasmine Flury nutzte die günstigen Wetterbedingungen bei ihrer Fahrt und gewann ihr erstes Weltcup-Rennen. Überdies geht die 24-Jährige aus Davos Mon­stein als erste Bündner Weltcup-Siegerin in die Geschichte ein.

Jasmine Flury, wie geht es Ihnen 24 Stunden nach dem ersten Weltcup-Sieg?

Eigentlich gut. Zwar konnte ich lange nicht einschlafen, da waren noch zu viele Gedanken im Kopf.

Das Rennen vom Sonntag wurde im letzten Moment abgesagt, dennoch mussten Sie sich ja darauf vorbereiten. Ist das schwergefallen nach diesem Triumph?

Am Abend hat mir sehr geholfen, dass das Programm planmässig weiterlief. Zuerst eine Team­sitzung, danach haben wir den Super-G-Lauf vom Sonntag besprochen. Ich denke, es ist einfacher, solche Siege zu verarbeiten, wenn möglichst schnell wieder die tägliche Routine kommt.

Sie sind die erste Bündnerin, die ein Weltcup-Rennen gewonnen hat. Beschäftigen Sie solche Dinge?

Ich habe das erst mitgekriegt, als es mir ein Trainer gesagt hat. Das ist natürlich cool. Aber ich hoffe auch, dass ich nicht die Einzige bleiben werde und noch ein paar Athleten nachkommen.

Was nehmen Sie aus diesem Sieg mit für den weiteren Saisonverlauf?

Viel Motivation. Es ist nach wie vor ein unglaubliches Gefühl. Jetzt will ich zu Hause ein wenig runterfahren und Energie tanken, um am Wochenende in Val d’Isère wieder bereit zu sein.

Sie werden nicht direkt nach Hause gehen, sondern machen noch einen Umweg über Zürich, wo Sie Gast im «Sportpanorama» des Schweizer Fernsehens sind. Nervös?

Darauf freue ich mich sehr, ich muss aber zugeben, dass ich ziemlich nervös bin. Wendy (Holdener, Anm. d. Red.) hat mir gesagt, sie sei ebenfalls nervös gewesen. Und das heisst etwas, sie ist ja diesbezüglich viel souveräner als ich. Aber ich werde auch dort mein Bestes geben. (lacht)

Sie haben weder Lehre noch Sportschule absolviert. Sie gehörten keinem Nationalen Leistungszentrum an, sondern machten den Sprung direkt vom Regionalverband in das Swiss-Ski-Kader. War das nicht ein gar hohes Risiko?

Ein Risiko gibt es immer, wenn man Spitzensportler werden will. Für mich war früh klar, dass ich diesen Weg gehen will. Hinterfragt habe ich diesen Plan eigentlich nur, als ich länger verletzt war. Aber ich wollte diesen Traum weiterverfolgen. Doch ohne die volle Unterstützung meines Umfelds hätte das nie geklappt.

Sie sind mittlerweile in Klosters zu Hause, aufgewachsen sind Sie in Davos Monstein. Können Sie etwas über Ihre Kindheit erzählen?

Es ist ein kleines Dorf, mir hat das immer sehr gut gefallen, auch jetzt, wenn ich wieder dort bin, kommt dieses Heimatgefühl auf. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Das ist das Beste, was dir als Kind passieren kann – glaube ich. Da lernst du zu arbeiten und hast mit Tieren zu tun.

Hat das Ihre Persönlichkeit geprägt?

Ich denke schon. Zugegeben: Die Arbeit auf dem Bauernhof hat mir nicht immer gleich viel Spass gemacht. Vor allem während der Pubertät, als alle andern an den See gingen und Volleyball spielten, während ich zu Hause in der grössten Hitze einen Hang rechen musste. Es war nicht immer cool, aber wie gesagt, wohl das Beste, was mir passieren konnte.

Sie haben verschiedene Sportarten ausprobiert in Ihrer Jugend, wann setzten Sie definitiv aufs Skifahren?

Etwa mit 15 Jahren, als es langsam ernst wurde. Vorher habe ich Fussball gespielt, Unihockey, alles Mögliche. Beim Skifahren kam ich aber ziemlich auf die Welt, als der gesamte Konditionsbereich plötzlich hinzukam. Mittlerweile mache ich das gerne und muss eher schauen, dass ich es nicht übertreibe.

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