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SKI NORDISCH

Dario Cologna: «Plötzlich löste sich der Knopf im Kopf»

Der Schweizer Langläufer Dario Cologna (31) lässt auf der Schlussetappe hinauf zur Alpe Cermis nichts mehr anbrennen. Er gewinnt überlegen zum vierten Mal nach 2009, 2011 und 2012 die prestigeträchtige Tour de Ski.
08.01.2018 | 07:56

Interview: Jörg Greb

sport@luzernerzeitung.ch

Dario Cologna, wie fühlt sich dieser vierte Tour-Sieg an?

Ich bin sehr, sehr glücklich. Klar, mit den Gefühlen der Premiere 2008/09 sind sie nicht identisch. Premierengefühle sind immer speziell und einmalig. Aber diesmal konnte ich mich selber überraschen und mehr als bestätigen. Ich vermochte mir wie auch der Öffentlichkeit zu zeigen, dass ich wieder zurück bin. Dass ich wieder mein einstiges Niveau aufweise. Dass ich wieder gewinnen kann. Und aus heutiger Perspektive kann ich sagen: Es war auch gut, dass ich etwas habe warten müssen.

Inwiefern haben Sie sich selber überraschen können?

Die Vorbereitung auf die Saison verlief gut. Ich war von Anfang an mit einem guten Gefühl unterwegs. Aber der Saisoneinstieg verlief nicht euphorisch. Resultatmässig gelang mir kein Podestplatz. Und das Körpergefühl war nicht überragend. Aber ein wichtiger Schritt glückte im Training über die Weihnachtstage. Da spürte ich, wie es zu laufen begann. So etwas wie das Schlüsselerlebnis war der Tour-de-Ski-Auftakt: Der Sprint in Lenzerheide löste den Knopf im Kopf.

Es schien, als würden Sie von Tag zu Tag stärker.

Es stimmt, ich fühlte mich immer gut, und ich kam ohne Krise durch die neun Tour-Tage mit den sechs Rennen. Es sorgt für gute Gefühle, wenn du spürst, wie es läuft und läuft und läuft.

Im enorm fordernden Schlussaufstieg auf die Alpe Cermis mit den rund 400 Höhenmetern kletterten Sie hervorragend, obwohl der Vorsprung einen etwas gemächlicheren Rhythmus erlaubt hätte. Ist das der neue Cologna?

Zumindest ist es ein gesunder und hoch motivierter Cologna. Ich bin glücklich, wie es gesundheitlich läuft. Die Wade bereitet keine Schwierigkeiten. Die Achillessehne spürte ich zwar, vor allem jeweils am Morgen beim Aufstehen. In den Rennen hinderte sie mich aber nicht. Und die Folgen meines Leistungsasthmas waren in diesem Jahr deutlich geringer als in anderen Jahren. Das ist alles sehr erfreulich.

Sie strahlten schon am Jahresende eine länger vermisste Lockerheit aus. Wie erklären Sie dies?

Die Überzeugung, dass ich nach wie vor zu Topleistungen fähig bin, hat sich nie verflüchtigt. Nur, in den letzten zwei, drei Jahren konnte ich dies nicht wunschgemäss zeigen. Die Fussverletzung vor den Olympischen Spielen von Sotschi und die anschliessende sehr kurz Regeneration hatten Folgewirkungen. Und diese kosteten Zeit. Dass es nun gesundheitlich stimmt, wirkt sich in der Tat aufbauend und beflügelnd auf mich aus.

Vor dem Tour-Start sprachen Sie davon, dass Sie diese Rennen im Hinblick auf die Olympischen Spiele benötigen. Wie sehen Sie dies nun?

Das ist so geblieben. Ich wollte diese Rennen nutzen im Formaufbau auf Pyeongchang, auf den Saisonhöhepunkt. Und wie diese Tour verlaufen ist, bin ich zu vielen aufbauenden Zeichen gekommen. Alles passt.

Wie geht es nun weiter?

Wichtig ist, dass ich mich nun perfekt erhole. Ich werde mir die nötige Zeit gönnen. Dann geht es darum, die nun aufgebaute Form zu nutzen und auf Mitte Februar zu timen. Die Erfahrung aus der Vergangenheit und die Erfahrung dieser Tour de Ski helfen mir dabei enorm.

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