Kultur
20.07.2016 00:00

Zug und sein Pionierblatt

  • Das gemäss Fritz Blaser einzige noch existierende Titelblatt des ersten Jahrgangs der ersten Zuger Zeitung war/ist im Besitz der Stadtbibliothek Zug.
    Das gemäss Fritz Blaser einzige noch existierende Titelblatt des ersten Jahrgangs der ersten Zuger Zeitung war/ist im Besitz der Stadtbibliothek Zug. | Andreas Fässler
ZUG ⋅ Vor über 200 Jahren wurde die erste Ausgabe der heutigen «Neuen Zuger Zeitung» gedruckt. Ihr Einzugsgebiet war damals ganz anders definiert, und die Druckerei war gleichzeitig auch der Verlag.

V on den Innerschweizer Kantonen war Zug erstaunlicherweise der erste, welcher über eine eigene Zeitung verfügte. Wie es dazu kam, schrieb Dr. Fritz Blaser, Luzerner Sekundarlehrer und Historiker mit Schwerpunkt Buchdruck, in den 1930er-Jahren in einem Beitrag für das Zuger Neujahrsblatt. Herausgeber dieses ersten Zuger Wochenblattes war demnach der bekannteste und wichtigste Buchdrucker Zugs, Beat Josef Blunschi. Was ihn zur Gründung einer Publikation dieser Art bewogen hatte, scheint nicht überliefert. Obschon Zug der Herausgeberkanton war und sich die lokale Berichterstattung primär auf diese Region fokussieren sollte, sofern neben dem damals turbulenten internationalen Geschehen dafür überhaupt Platz blieb, nannte Blunschi das Blatt offiziell «Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwyz, Unterwalden und Zug». Dies wohl, um eine breitere Abonnentenschaft und einen grösseren Inserentenkreis anzusprechen, vermutet Fritz Blaser. Dennoch wurde das Wochenblatt zumindest im Kreise der Mitarbeiter und wohl auch bei Teilen der Leserschaft von Anfang an kurzum «Zuger Zeitung» genannt.

Die allererste Ausgabe, respektive die erste von acht Probenummern des ersten Jahrgangs, deren Titelblatt unser Bild zeigt, erschien in der zweiten Oktoberhälfte des Jahres 1814. Die spätere «Neue Zuger Zeitung», welche Sie soeben vor sich haben, war geboren. Es war eine Zeit von politischen Wirren und Kriegszuständen – im März 1815 kehrte Napoléon von Elba zurück –, weshalb Nachrichten und Geschichten aus Zug und den anderen «löblichen Kantonen» nur dünn vertreten waren in der Berichterstattung. Dennoch scheint es, dass Blunschi bestrebt war, nicht nur Aktualitäten aus der Welt in seiner Zeitung zu publizieren, sondern auch Beiträge «zur angenehmen und belehrenden Unterhaltung», wie er es selbst bezeichnete. Seine Zeitung enthielt demzufolge bereits unterschiedliche Rubriken, wie es heute ja üblich ist.

Ab 1816 war wieder mehr Platz für lokale Hintergrundberichte, Geschichtliches, Literarisches und Betrachtungen mit unterhaltsamem Charakter. Die Berichterstattung des Jahres 1817 beinhaltete gemäss Blaser vor allem zwei Schwerpunkte: einerseits der Aufenthalt von Barbara Juliane von Krüdener in der Schweiz. Die adlige Schriftstellerin und Beraterin des russischen Zaren sorgte überall, wo sie war, für politischen Zündstoff. Andererseits war der endgültige Anschluss der einstmaligen Republik Gersau an den Kanton Schwyz im genannten Jahr Dauerthema in der «Zuger Zeitung».

Scheinbar handhabte es Blunschi mit den Abonnementen ähnlich, wie es heute noch bei vielen Publikationsorganen der Fall ist und was die Abonnenten manchmal frustriert: Wer es verpasste, das Abo fristgerecht zu kündigen, der musste für ein weiteres Jahr bezahlen. Die jeweils samstags erscheinende Zeitung kostete anfänglich für Zug 2 Franken, für die Abonnenten ausserhalb 3 Franken und 2 Batzen.

Gegen Ende des Jahres 1821 kündigte Blunschi an, dass sein Wochenblatt für die vier löblichen Kantone restrukturiert und vor allem umbenannt werde. Er wolle mit dem Titel «näher zurück auf heimatlichen Grund» ziehen. Es gab wohl mehrere Gründe dafür. Fritz Blaser vermutet als Hauptbeweggrund einen ständig schwelenden Streit persönlicher Natur zwischen den Gemeinden Flüelen und Menzingen, was wohl eine ausgewogene Berichterstattung erschwerte. Weiter dürfte eine Rolle gespielt haben, dass – wie weiter oben bereits erwähnt – sowohl Mitarbeiter als auch die lokale Leserschaft das Blatt mehr in Zug verankert sahen als in den anderen Kantonen. Ferner hatte der Kanton Schwyz bereits seit 1819 seine eigene Zeitung. Folglich hiess Blunschis Blatt ab dem Frühjahr 1822 offiziell «Neue Zuger Zeitung».

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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